Von Thorsten Frerk
HAMM • Sie nennen sich selbst ganz unbescheiden "Die beste Band der Welt", und als sie am Dienstagabend pünktlich um 20 Uhr ihr Konzert in den Zentralhallen begannen, hatte man den Eindruck, die rund 4 200 Fans hätten auch gegen eine in der deutschen Sprache nicht vorgesehenen weitere Steigerung nichts einzuwenden.
Nicht nur aus Hamm, auch aus der weiteren Umgebung waren sie angereist, um "ihre" Band zu erleben: pubertierende Punks mit bunten Haaren, karierten Hosen, Ketten, Halsbändern und kunstvoll zerrissenen T-Shirts, Twens, deren Aufmachung und Garderobe auch für einen Besuch in der Disco geeignet wäre, 30-Jährige, die schon in den 80ern zum Kreis der Ärzte-Fans zählten, und Eltern um die 40, die das Interesse ihres Nachwuchses an den Ärzten nur zu gern zum Vorwand nahmen, selbst das Konzert zu besuchen.
Die Band wiederum tatalles, um ihren Fans zu gefallen. Vom Opener "Schrei nach Liebe" über "Du willst mich küssen", "Mach die Augen zu", "Radi brennt" bis zu "Ma- nchmal haben Frauen. . ." und dem unvermeidlichen "Westerland" brannten Farin Urlaub (Gitarre, Gesang), Bela B. (Drums, Gesang) und Rodrigo Gonzalez (Bass, Gesang) ein mehrstündiges Feuerwerk ihrer Hits ab - Schlag auf Schlag, ohne lange Pausen oder ausschweifende Ansagen.
Die Songs erklären sich sowieso selbst - oder hätten es getan, wenn man die Texte in der akustisch schwierigen Halle denn hätte verstehen können. Konnte man aber nicht. Der Hall und ein in der Halle leider ziemlich verwaschener Sound sorgten für einen deutlichen Kenntnisvorsprung derjenigen, die die Texte schon vor Konzertbeginn auswendig konnten - der Mehrheit der Besucher also. Aber auch diejenigen, die nicht zum engeren Fankreis der Band gehörten, wurden überzeugt. "Eine Platte würde ich mir von den Ärzten nie kaufen, aber live sind sie einfach großartig", äußerte sich ein junger Mann mit grünem Bart, den die Enge und die schlechte Luft aus der Halle ins Foyer getrieben hatte. Kein Problem für ihn: "Hier kann ich gemütlich sitzen und höre trotzdem alles".
Weniger ruhig ging es naturgemäß vor der Bühne zu. Beinahe im Minutentakt mussten die Ordner all zu sehr an die Absperrungen gedrängte Zuschauer aus den vorderen Reihen ziehen oder bekamen besonders hartgesottene Fans, die sich vom Publikum auf ausgestreckten Armen über den Köpfen tragen ließen, über die Brüstung gereicht. Weiter im Hintergrund zogen es die etwas "gesetzteren" Besucher derweil vor, in der Nähe der an mehreren Stellen in der Halle platzierten Bierständen Stellung zu beziehen und den Jüngeren, die so zum Teil der Show wurden, beim Drängeln und Tanzen zuzusehen.
Egal, wie und wo sie das Konzert verfolgten: Als die Band nach gut 90 Minuten erstmals die Bühne verließ, waren sich alle einig: "Das kann es noch lange nicht gewesen sein!" Eine Empfindung, die wohl auch die Musiker teilten, denn sie kamen nur zu gerne zurück ins Scheinwerferlicht und verabreichten nach der erfolgreichen Operation noch eine ausgiebige Anschluss-Heilbehandlung.
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