Zum '99er Live-Album "Wir wollen nur Deine Seele":
"Metal Hammer" 12/99: Es ist ein einfaches
Prinzip: Wenn du eine Ärzte- Platte in der Hand hast und nicht nach
30 Sekunden lachst, ist es vorbei. Dann braucht die Welt die beste
Band der Welt nicht mehr. Doch dies scheint noch in weiter Ferne.
10 Jahre nachdem die SINTFLUT das letzte Live-Album der Welt ans (Wester-)Land
spülte, gibt es eine neue Ansammlung von was die Ärzte so spielen.
Die gerne gepflegte Attitüde HALT`S MAUL UND SPIEL! betitelt die eine,
NÖ SLEEP `TIL VIEHAUKTIÖNS-HALLE ÖLDENBÜRG- und da
war er, der Lacher- die andere CD. Beide sind vorwiegend mit Material seit
1993 gefüllt, prima Klangqualität, aber nicht clean. Der Einwand:
Entweder man ist bei einem Ärzte- Konzert dabei, oder nicht. Beim
anhören stellt sich dann eine andere Meinung ein. Obwohl: Was heißt
Meinung, ein breites Grinsen. Und jeder, der ins Zimmer kommt, hat es innerhalb
kürzester Zeit auch im Gesicht, spielt Luftgitarre und singt mit.
Liegt`s nun an der Jugend, in der ich trotz körperlicher Vorraussetzungen
insbrünstig "Ich weiß nicht ob es Liebe ist, wenn man beim Pinkeln
ständig nebens Becken pisst" grölte, oder warum machen die 46
Songs so ein Vergnügen? Und warum kenne ich immer noch alle Texte?
Es ist ein unerklärliches Phänomen: Vor jeder Ärzte-Veröffentlichung
denkt man, okay, jetzt bin ich aber wirklich zu alt dafür- um anschließend
festzustellen, dass es diese Band schafft, jede Menge Leute zwischen 13
und Prothesenträger anzusprechen. Ich weiß nicht ob es Liebe
ist, wenn man etwas hört und es nie vergißt...
6 von 7 Punkten (Glücksfall)
(und noch einmal vielen Dank an Sascha Eggers fürs Zuschicken!)
"Rolling Stone" 01/2000: Ein Live-Doppel-Album
bestätigt: "Es gibt nur einen Gott: BelaFarinRod". Ob sie die beste
Band der Welt sind? Wohl nicht. Die witzigste Band Deutschlands sind Die
Ärzte allemal. Der beste Beweis ist dieses sagenhafte, 190 Minuten
lange Live-Album: zwei CDs mit alten und neuen Gassenhauern plus eine "Spoken
Word" Mini-CD mit launigen Ansagen, amüsanten Fäkal- Witzen,
saftigen Schenkelklopfern und Geschichten wie der von der "finnischen Penis-Pumpe".
Wer da nicht mitlacht ist "Spex"- Leser oder Old- School- Feministin -
und für die gibt's immerhin den Hit "Männer sind Schweine". Trotz
kleiner politischer Inkorrektheiten sind die drei Berliner noch immer Lichtjahre
von jener Stammtisch- Attitüde entfernt, die das Spätwerk der
toten Hosen so ungenießbar, so bierbäuchig und reaktionär
klingen lässt. Obwohl beide Bands 1982 fast gleichzeitig starteten,
haben sich die Ärzte jugendliche Frische, aufmüpfige Keckheit
und ein waches Interesse an aktueller Popkultur bewahrt, während die
Toten Hosen noch immer ihrem verlogenem Drei-Akkorde-für-die-Kumpels-vom-Stadion-Pathos
nachhängen. Wenn die Ärzte alte Kamellen wie "Kopfhaut" spielen
( Lieblingszeile: "Du kannst gehen, aber deine Kopfhaut bleibt hier"),
dann können auch blutjunge Schulmädchen was damit anfangen -
die alten Irokesen ("Hasse ma ne Mak, Alter") lachen sowieso, schon aus
Nostalgie. Und dass die meisten Stücke etwas schlampig gespielt werden,
zeigt doch nur, wie sehr es Bela, Farin & Rod um den eigenen Spaß
geht - und nicht ums konservieren von 20 Jahren deutscher Punkrock-Geschichte.
Punk ist heute Teil des Etablishment, ein Genre unter vielen. Punk ist
Pop. Und weil die Ärzte eigentlich schon immer eine Pop- Band waren
(siehe: "Oh, mein Teddy" oder "Grace Kelly ist tot") klingt ihre Musik
auch 18 Jahre später noch so unangestrengt, so ideologisch unbelastet
- während man bei den Konkurenten aus dem Rheinland das Gefühl
bekommt, sie seien die letzten Überlebenden einer SED des Punkrock.
Oder spielen die Hosen etwa auch mitten in einem Hit mal kurz ein paar
Takte Ricky Martin, nur weil's allen Beteiligten Spaß macht? Deshalb
gilt wohl auch im nächsten Millenium der alte Ärzte-Schlachtruf:"Es
gibt nur einen Gott: BelaFarinRod!"
3 von 5 Sternen (Delektabel)
(vielen Dank abermals an Sascha Eggers fürs Zuschicken!)
"musikexpress" 12/99: Als die Ärzte
ihre letzte Live-Platte rausbrachten, hatten sie sich bereits aufgelöst.
Elf Jahre nach NACH UNS DIE SINTFLUT sind die Wiedervereinigten davon denkbar
entfernt - schön blöd müßten sie auch sein, schließlich
liegt ihnen ein nicht unerheblicher Teil der popbegeisterten jungen Leute
dieser Republik zu Füssen - kreischstark dokumentiert auf diesem Live-Packen,
der jetzt, nach sechs Jahren DÄ- Zeitrechnung und ungefähr unendlich
vielen Konzerten, irgendwie mal fällig war. Und weil die Ärzte
eine Band des Volkes sind, und sie in Wirklichkeit mitnichten unsere Seele,
sondern nett zu uns sein wollen, kriegt Fan hier was für's Geld. Da
sind 46 unsterbliche Deutsch(fun)punkrockklassiker auf zwei CDs, mitgeschnitten
von '94 bis '98. Darunter alles relevante (und live spielbare) von den
90er-Alben (dick- der Überhit "Männer sind Schweine" mit Bläserbegleitung
der special guests The Butlers) sowie einige durchaus rare und bizarre
Frühwerke ("Der lustige Astronaut", "Zitroneneis", "Käfer"),
alles bewährt durchsetzt mit beschwingt bis dadaistisch humorigen
Ansagen. Eine Essenz derer- den lange erwarteten Nachfolger der legendären
"Sprüche"- gibt's als 21minütigen Gelaber- Track ( der in Wahrheit
42 Minuten hat, 21 Minuten linker, 21 Minuten rechter Kanal) auf einer
Zusatz- MiniCD, INVASION DER VERNUNFT, der die Ärzte einmal mehr als
den härtestpunkenden Comedy-Act der Welt offenbart - ja: hier ist
Spaß zu haben. Dazu: dickes Booklet mit vielen irren Fotos von euren
Stars! Mini- Faksimiles der Konzertkarten der 90er- Tourneen! Umweltfreundliche
Pappverpackung! Kurz: alles was der moderne Punker braucht. Ach, Ärzte,
Ihr verwöhnt uns.
(vielen Dank an Sascha Eggers fürs Zuschicken!)
Zum '98er Album "13":
"Animalize" (Juni'98): Wat is' an der
Zahl "13" son interessant? Klar, sie soll - gruselig, gruselig - Unglück
bringen, doch wieso heißt das neue Album von DIE ÄRZTE aus Berlin
(...aus Berlin) "13"? Nun, es ist nicht Album Nummer dreizehn, sondern
erst "full length" Studioalbum Nummer acht. Es enthält auch nicht
dreizehn Stücke, sondern vier mehr. Die Band wurde auch nicht vor
dreizehn, sondern bereits vor sechzehn Jahren gegründet. Nun, warum
also "13"? Ein weiteres ungelöstes Geheimnis der Musikgeschichte...
Musikalisch ist es dagegen ein typisches DIE ÄRZTE-Album geworden
(was immer bei den Berlinern typisch ist...). Man bekommt den typisch-kranken
Felsenheimer-ischen Humor (Remember: "Omaboy") bei "Goldenes Handwerk"
(mit 'ner richtig coolen Country-Steel-Guitar) bzw. beim jazzigen (!!!)
Opener "Punk ist...". Eine Beschreibung bringt nix, hört rein - ihr
werdet euch vor Lachen ausschütten. Doch auch Monsieur Urlaub scheint
desöfteren zu einem wahren Scherzkeks zu mutieren, wofür Stücke
wie "Grotesksong" (erinnert anfangs an "Schwanz ab" aus dem Jahre 1988,
mit dem er mir textlich voll aus Herz, Hirn und Hose spricht), "Meine Freunde"
oder die erste Single "Männer sind Schweine" (mit 'ner Bläsersektion
als Verstärkung) gute Beispiele sind. Stücke wie "Rebell", "Party
stinkt" (mit coolem "Honky Tonk"-Piano und "The Simpsons"-Intro/Outro),
"Ein Lied für Dich", "Angeber" oder "Nie wieder Krieg, nie mehr Las
Vegas!" sind dagegen Songs ohne großartigen Überraschungseffekt
- aber trotzdem gut. Allerdings befinden sich mit "Der Graf" (mit Violine
und Viola), "Liebe und Schmerz" und "Grau" auch einige Stücke auf
dem Album, denen ich persönlich nicht so wohlgesonnen bin, da ich
sie eher langweililg finde. Was das Trio aus Berlin (...aus Berlin) aber
auch richtig tolll kann, ist das Verfassen von Liebesliedern, von denen
es hier gleich drei - allerdings textlich unterschiedlich verpackte - Beispiele
gibt, von denen mir - das mit einem orientalischen Touch versehene "Nie
gesagt" - am besten gefällt (wohl auch, weil ich zum Zeitpunkt des
Verfassens dieser Kritik son'n bißchen den beziehungstechnischen
Blues habe). Ein (was sonst) wiedermal sehr gutes Album aus Berlin (...aus
Berlin), daß mit viel Liebe zum Detail (die verschiedensten Instrumente,
Filmsamples) fertiggestellt wurde und mit einem erstklassigen Sound versehen
wurde - und denkt immer daran - Rod loves you!"
Oliver Loffhagen
(vielen Dank an Stefan Üblacker fürs Zusenden der Kritik!)
"CYBERmusic" (Nr.8[?]/98): Du meinst,
Punk klingt unpoetisch? Dann solltest Du die neute CD der Ärzte (übrigens
die 13-te) hören. Da sind nämlich Songs drauf, die Bela The B.,
Rod und Farin Dir gewidmet haben. Beispielsweise "Ein Lied für Dich"
oder einen "1/2 Lobesong". Immer mit einem Augenzwinckern, aber das ist
man bei den Ärzten ja gewöhnt. Lausch´ mal die Country-Verasche
"Goldenes Handwerk" an. Witzig!
Bewertung: 2 Smilies (=gut)
Vielen Dank an Martin Huber fürs Zuschicken dieser Kritik!!!
"Booster" (Nr.9 - Juli/August 1998): Darauf
kann man sich verlassen, was die Ärzte abliefern hat Qualität
und das ganz spezielle Ärzte- Format. Um hier zu enttäuschen,
sind die Berliner inzwischen viel zu routiniert. Auch wenn alles nicht
mehr so skandalträchtig ist wie zu früheren Zeiten, ihrem Stil
sind sie immer stets treu geblieben: Punkrock mit Mitjohlqualitäten
und einer latenten Portion Humor. Auf ihrem neusten Album wagen sie wieder
musikalische Ausflüge in Jazz, Flamenco und Folk und beweisen damit
ein weiteres Mal ihre Flexibilität und machen hörbar, daß
man trotz (oder wegen?!) des Erfolges weiterhin Spaß haben kann,
zusammen zu musizieren, zu kopulieren und zu experimentieren. Viel Freude
beim Hören!
Vielen Dank an Nuria Brede fürs Zuschicken dieser Kritik!!!
"Wahrschauer" Nr.35/Sommer'98: Das Konzept
der Berliner hat sich nach der letzten, wahrscheinlich seit Anfang an,
nicht verändert. Natürlich sind sie mit der Zeit ruhiger und
älter geworden, aber die Konzeption war sicherlich schon immer gleich.
Langsam beschleicht mich aber doch der Verdacht einer Überproduktion,
dieses neue Album hier ist hart an der Grenze dazu. Die Ärzte singen
immer noch über Punk und spielen weiterhin auch schnellere Lieder.
Da sie aber seit Jahren versuchen, immer gerade das unerwartete zu fabrizieren,
erwartet man dieses schon und kann viele WEndungen schon vorher erahnen.
Die Texte sind ähnlich gelagert wie immer, und auch der, allgemein
schon bekannte, Song "Männer sind Schweine" findet sich wieder. Man
kann über die Ärzte sagen, was man will, die Alben sind einfach
lustig, auch wenn man mit ihnen eigentlich nichts anfangen kann und sie
teils als verpönt gelten. Wer hat sie nicht schon gehört? Inzwischen
gibt es sogar ein eigenes Label; Hot Action Records, das natürlich
für die neuste Veröffentlichung verantwortlich zeichnet. Ja,
das neue Album hat seine Qualitäten, aber das war ja zu erwarten;
es sind eben DIE ÄRZTE!
(Arne)
Vielen Dank an Nuria Brede fürs Zuschicken dieser Kritik!!!
"Computer Bild" 15/98: Hier steht die
witzigste Synthese aus Punk und Schwarzwaldklinik auf dem Rezept. Das Berliner
Trio verschreibt musikalische Rotzigkeit -rauh aber herzlich- in Verbindung
mit aufmüpfigen Charme. Den Hit "Männer sind Schweine" singt
inzwischen die halbe Nation mit, und hier finden sich noch viele weitere
Punkschlager dieses Kalibers. Kein Wunder, daß die CD der absolute
Bestseller ist. Anspieltip: "Nie gesagt".
Meinung: SEHR GUT
Vielen Dank an Ramona Pluntke fürs Posten an die Ärzte-Mailing-List,
der ich diese Kritik entnommen habe !!!
"musikexpress" (Juni '98): Die Ärzte
aus Berlin sind total stolz auf ihre neue Platte. "Irgendwann gehen einem
die Superlative aus", freut sich Farin Urlaub, "und bei dieser Platte sind
wir echt soweit!" Nach dem in zwei Wochen hingerotzten Schnellschuß
LE FRISUR von 1996 hat man jetzt wieder gut Zeit und Geld investiert. In
drei Monaten mit dem eigens aus dem spanischen Wahl-Exil eingeflogenen
Stamm-Produzenten Uwe Hoffmann in Hamburg eingespielt, soll 13 am 25.5.
in den Läden stehen. Und genau an diesem Tag soll die Menschheit das
neue Werk der Besten Band Der Welt auch erstmals zu Gehör bekommen,
selbst Das Tollste Musikmagazin Der Welt bekam vorab nur ein fünf
Tracks umfassendes Trailer-Tape anvertraut. Darauf finden sich zwei - in
der Tat sehr knallige und dick produzierte - Punkpop-Reißer aus der
Feder Urlaubs ("Meine Freunde", "Lied für Dich"), ein "1/2 Liebeslied"
von Bassist Rod Gonzalez, ein schön wehmütiger Abschiedssong,
der einen im durchgeknallten Ärzte-Kosmos aber etwas ratlos hinterläßt
und zwei Bela B.-Stücke, "Ignorama" und "Goldenes Handwerk", in dem
der Schlagzeuger zu herrlich albernem, pedalsteel-jauligem Trucker-Doof-Country
das Hohelied auf die Geistesarmut und seinen Berufsstand singt. Witzig
das, charmant auch. Trotzdem möchte man hoffen, daß der Band,
die der Welt dereinst "Meine Ex(plodierte Freundin)" schenkte, da auf voller
Albumlänge an ein oder anderer Stelle noch etwas mehr der Gaul durchgeht.
(jols) ohne Wertung
Vielen Dank an Nuria Brede fürs Zuschicken dieser Kritik!!!
"neue SZENE Augsburg" 07/98: Die Ärzte
sind schon ein Phänomen. Im Prinzip produzieren sie nichts anderes
als musikalischen Kinderfasching mit Punk-Attitüden, produzieren Musik
für Heranwachsende und grölende Schnauz- bartträger, aber
dennoch kenne ich keine Band, die dermaßen mit Credibility ausgestattet
ist wie die drei Berliner. Würden die drei Herren nicht Bela, Farin
und Rod heißen, würde es Verrisse durch die ganze Republik hageln.
So singen sie "Männer sind Schweine...", landen schnurstracks in den
oberen Regionen der Charts und keinen scheint es zu stören. Ganz im
Gegenteil, die Crème der deutschen Rock- und Punkszene spielt ein
Tribute-CD zu Ehren der Ärzte ein, was sie auf Ewigkeiten hin in den
Olymp germanischer Popkultur katapultiert. Allein deswegen verdienen sie
schon Respekt, auch wenn ich mir diese CD sicher nicht noch einmal geben
werde. Aber was sie anfassen, wird - wie auch bei Dieter Bohlen - automatisch
zu Gold! Wegen Kultstatus dieses Mal keine Wertung!
(ws)
Vielen Dank an Martin Huber fürs Posten an die Ärzte-Mailing-List,
der ich diese Kritik entnommen habe !!!
"MediaMarktVision" 07/98:[eine Pro/Contra-Kritik zweier Redakteure]
CONTRA
Markus: GÄHNENDE LANGEWEILE
"Um es gleich vorweg zu sagen: Eigentlich bin auch ich ein Ärzte-Fan.
Was Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzales uns jedoch auf dem neuen
Album "13" präsentieren, ist gelinde gesagt eine Zumutung. Ausser
der Single "Männer sind Schweine" und der gut Anderthalb-Minuten-Nummer
"Meine Freunde" herrscht gähnende Langeweile. Ganz schlimm wird es
dann, wenn Die Ärzte Ideenlosigkeit durch simple Jazz-Töne wie
beim Opener "Punk ist..." kompensieren wollen oder mit pseudogehaltvollen
Songs wie "Der Graf" nerven. Jungs, das knallt einfach alles nicht mehr
richtig. Wo bleibt der grenzenlose Spass und das Gespür für eingängige
Punkrock-und Pop-Knaller? Genau diese beiden Komponenten finden auf "13"
kaum noch statt. Wirklich enttäuschend!"
Bewertung : **(2 von 5)
PRO
Matthias: ENTLARVEND GUT
"Um es gleich vorweg zu sagen: Markus ist einfach nur beleidigt.
Keine geringeren als Die Ärzte, die nun einmal unbestreitbar die beste
band der Welt sind, fallen ihm in den Rücken. Konnte er bisher ungestraft
als Redaktions-Macho zotige Witze reissen oder ungefragt seinen Kolleginnen
Lara Crofts Oberweite als Maßstab allen Seins vorbeten, schlagen
diese nun zurück. Jawoll, Männer sind Schweine!! Wer könnte
daran zweifeln, wenn selbst Die Ärzte ein Lied davon zu singen wissen.
Da hilft es auch nicht, dass Markus' ach so geliebtes Computerweib durch
das Video der Ärzte stapft - die Truppe ist bei ihm erst einmal untendurch
.Versteh' ich garnicht, denn mit "13" ist ihnen ein wirklich gutes Album
gelungen, entlarvend gut sozusagen. Nicht wahr, Markus?"
Bewertung: ****(4 von 5)
Vielen Dank an Oliver Hülsemeyer fürs Zuschicken dieser
Kritik!!!
"inntro musikmagazin" (Juli/August '98):
Mit
den ÄRZTEn ist das ja so eine Sache: Ihr Oeuvre ist reich an großartigen
wie beschämenden Momenten. "13" macht da erwartungsgemäß
keine Ausnahme: "Punk Ist ..." und "Männer Sind Schweine" sind textlich
wie musikalisch rundum gelungen, die restlichen fünfzehn Songs überraschen
mitunter mit feinausgetüftelten Gimmicks - oder sind der totale Schrott.
Mag es einem auch ein ums andere Mal Bewunderung abtrotzen, mit welcher
Genauigkeit die ÄRZTE Teenager-Wehwehchen in dreieinhalb Minuten auf
den Punkt zu bringen vermögen: Wirklich attraktiv sind "1/2 Lovesong",
"Nie Gesagt" und "Liebe Und Schmerz" nur für Angehörige einer
Altersgruppe, deren Mütter noch zu jung sind, um zu verstehen. Gewiß
- eine gute Beobachtungsgabe hat noch niemandem geschadet, was aber, wenn
seit Äonen immer wieder die gleichen Verhältnisse und Befindlichkeiten
beobachtet werden - noch dazu mit gleichbleibendem Ergebnis? Freilich,
Protestsongs gehen nun mal auf keine Kuhhaut; gewinnt allein dadurch ein
"Protestsong Gegen Protestsongs" (der hübsch wanderklampfig beginnt,
allerdings allzu vorhersehbar in Geschraddel abkippt) an Unterhaltungswert?
Und überhaupt: ist die Sprache der Musik die richtige, um endlich
einmal auf den Tisch zu hauen und zu sagen: Parties mit Erdnußflips
gehören nicht zu Gottes tollsten Erfindungen? Wäre eine schriftliche
Petition an den jeweiligen Gastgeber nicht der bessere Weg? Sollte man
nicht die Schülermitverwaltung einschalten? Mit dem Direktor sprechen?
Einen Elternabend abhalten? Doch solcherlei gehört nun mal zum Standardprogramm
bei den ÄRZTEn und ließe sich trefflich mit "Füllmaterial"
abgeißeln. Das Problem ist schlechterdings anders gelagert. Die ÄRZTE
halten sich offenbar immer noch für eine Punkband, das schwierige
KASSIERER-Syndrom also. Das hat nicht nur notwendigerweise zur Folge, daß
Bela bei jeder Gelegenheit seinen eigentümlich zackigen Marsch-Beat
poltert, was ja noch halbwegs brüllend komisch ist. Nun ist Punk bekanntlich
eingeschrieben in ein Bedeutungsfeld aus Message-Klimbim, Authentizitätswahn
und Individuumsverstrickungsscheiß. Solange DIE ÄRZTE wie bei
"Grotesksong" oder "Ignorama" die Metaebene beackern, gibt es damit nur
marginale Probleme. Wenn aber Freundinnen den jeweiligen Sänger verlassen
und dessen Texte penetrieren, wird einem unkommod zumute: Ich möchte
nicht mit Farin Urlaub weinen. Um nichts in der Welt. Was bleibt also zu
tun? Sich an den großartigen Momenten delektieren. Die tauchen immer
dann auf, wenn die entwaffnende Kindlichkeit der Textaussage konterkariert
wird durch professionelle Arrangements und High-End-Produktionsmätzchen.
Wer auch immer die ausheckt: Der Mann ist phantastisch. Bläser- und
Stringarrangements sind durchweg amtlich und paßgenau positioniert,
ebenso harmony vocals - na bitte, geht doch. Bleibt zu wünschen, daß
Die ÄRZTE sich baldigst dumm und schusselig verdienen, sich Don Was
kaufen, Bob Ludwig und Peter Herbolzheimer gleich dazu. Gestrichen wird
nur noch seitens des KRONOS QUARTETTs und die Texte lassen DIE ÄRZTE
durchsehen von keiner Geringeren als Irma Hölder. So wird's gemacht.
(Boris Fust)
Vielen Dank an Nuria Brede fürs Zuschicken dieser Kritik!!!
"Die Woche", 29. Mai '98: Widersprüche kümmern Die Ärzte nicht: Auf dem "13"-Cover beklagen sie die "verfehlte Energiepolitik der Bundesregierung", drohen aber hämisch allen Gutmenschen: "Dann zieh ich mir ein Robbensteak rein, auf einem Teller aus Elfenbein." Die Band altert würdelos, aber mit Spaß, und setzt auf die Erfolgsformel "Ironische Stilzitate plus bösartige Balladen plus Gute-Laune-Pogo". Gealbert wird auf der Höhe der Zeit: Im Video "Männer sind Schweine" kämpfen die drei gegen die vollbusige Computer Amazone Lara Croft. Fun-Punker - das klingt wie das tragischste Prädikat, das die Musikkritik zu vergeben hat. Die Ärzte machen daraus einen Adelstitel.
"Media World Magazin" 6/98: Auch wenn uns Die Ärzte zu Beginn des neuen Albums mit jazzigen Klängen aufs Glatteis führen wollen, wird spätestens bei Lied Nr.2 klar, daß es sich bei "13" um eine typische Ärzte-Platte handelt. Wie immer sind die Urlaub-Songs ("Männer sind Schweine" etc.) viel besser als Felsenheimers Liedgut, aber die Texte sind nicht mehr ganz so witzig wie früher, die Musik, der altbekannte Speedpop, klingt etwas ausgebrannt, und jünger sehen Farin, Bela und Rod auch nicht gerade aus. Vielleicht wäre der Zeitpunkt ein guter für "Nach uns die Sintflut 2". Vielleicht aber auch nicht. An Selbstironie hat es den Berlinern ja noch nie gemangelt.
Zum '96er Album "Le Frisur":
"Fachblatt MusikMagazin" 7/96: Jetzt sind sie entgültig durchgeknallt, die Ärzte aus Berlin. Kaum ein Jahr nach dem Vorgänger "Planet Punk", legen sie schon wieder ein Album vor. Noch dazu ein "Konzeptalbum". Und damit nicht genug: Ein Konzeptalbum über Haare! Da wird dann in völlig jenseitigen Schüttelreimen die neue Frisur der Freundin ("Mein Baby war beim Friseur") besungen, das Übel der weitverbreiteten Vorne-kurz, hinten lang-Haarpracht unter die Lupe genommen ("Vokuhila Superstar") oder der "Afro von Paul Breitner" thematisiert. Ein Sinnfreies Instrumental ("Dauerwelle vs. Minipli") fehlt ebensowenig wie eine abgedrehte Cover-Version von "Hair" ("Haar") aus dem gleichnamigen Musical oder eine im wahrsten Sinne des Wortes haarsträubende Interpretation des Kinderliedes "Kaperfahrt". Wie schreiben die Fun-Doktoren aus Berlin im Info zu "Le Frisur": "Als wir mit den Aufnahmen fertig waren, wurde uns klar, daß wir a) das schönste deutsche Konzeptalbum nach "Tabaluga" aufgenommen haben, b) mit "Le Frisur" unsere bisher beste Platte abliefern und c) nicht ganz dicht sein können". Dem ist nichts hinzuzufügen.
"Audio" 8/96: Eine haarige Sache, dieses Album, das ursprünglich eine EP zum Thema "Haupt- und Nebenhaar" werden sollte. Doch die Gedanken sprossen wie Rapunzels Mähne. Kurzerhand wurde ein Konzept an den Haaren herbeigezogen: Hart aber lustig. Den Nerv der Fans getroffen? Haarscharf.
MG.Rickers, 03.04.00