Eingefleischter "Ärzte"-Fan
berichtet
Wenn der "Moshpit" tobt und Luft knapp ist
Von MAREIKE MARX
Osnabrück.
Mittwoch, 30. Oktober. Osnabrück Stadthalle. Es ist 18 Uhr. Vor der
Halle versuchen Ordner, drängelnde "Ärzte"-Fans zu
beruhigen. Vergebens: Deshalb werden wir um 18.40 Uhr in die Halle gelassen.
Als wir - zwei Freundinnen und ich - vor der Bühne stehen, ist
unsere Enttäuschung groß. Statt des gewohnten Platzes in der
2. Reihe müssen wir diesmal mit der 7. Reihe vorlieb nehmen. Egal.
Hauptsache die "Ärzte" liefern eine gute Show und wir haben
unseren Spaß. Den hatten wir bei den vorherigen "Ärzte"-Konzerten
in diesem Jahr auch.
Kurz vor 20 Uhr geht`s los: Hinter dem Vorhang werden Instrumente gestimmt,
Mikros getestet. Die ersten Töne des Intros lassen die Gespräche
im Publikum verstummen. Die Anfangs-Akkorde von "Nur für Dich"
machen uns rasend. Doch noch ist kein Arzt zu sehen. Das Lied bricht ab,
und wie aus dem Nichts stehen die "Ärzte" da und donnern
los. Nun gibt es kein Halten mehr. Wer kann - und wir können - singt
lautstark mit. Im "Moshpit" (gesprochen: Moschpit) tanzen die
Fans Pogo, ein tierisches Gedränge beginnt.
Farin Urlaub, (grinsend wie immer) Bela B. und Rod, begrüßen
uns mit den Worten "Wir sind die Ärzte aus Berlin, auuus Berlin".
Und dann gibt "Die beste Band der Welt" Vollgas, und das wirkt
sich auch auf die Stimmung im "Moshpit" aus.
Wäre mir ja egal gewesen, wenn ich nicht dummerweise mitten hinein
geraten wäre. Neben mir stürzen die Stage-Diver ab. Komisch,
daß immer ich die Fans auf den Kopf bekomme, die sich von hinten
über uns hinweg durchreichen lassen. Zwischendurch wird es ruhiger,
und ich schiebe mich wieder nach vorn. Von altbewährten Stücken
wie "Schopenhauer" über noch ältere wie "Alleine
in der Nacht" bis hin zu den neuen Stücken wie "Meine Freunde"
oder "Der Graf" und natürlich auch dem Chart-Erfolg "Männer
sind Schweine" bieten die Ärzte alles was das Fan-Herz begehrt.
Auch die Sprüche heizen ein. Doch so richtig genießen kann
ich das Konzert noch nicht. Meine Freundinnen hat die Menge scheinbar verschluckt.
Immer wieder werde ich in den "Moshpit" zurückgedrängt
und habe, wie die meisten anderen dort, Mühe, mich auf den Beinen
zu halten. Plötzlich steht eine meiner Freundinnen vor mir. Sie sieht
so fertig aus wie ich mich fühle.
Auch sie ist nicht das erste Mal bei den "Ärzten", aber
dieses Konzert ist besonders anstrengend. Kurz darauf wird sie von anderen
Fans zu den Security-Leuten durchgereicht. Ein Fan spricht mich an, ob
ich auch raus möchte, aber das möchte ich ganz sicher nicht.
Da nimmt er mich auf seine Schultern - und ich habe einen super Überblick.
Desto später es wird, desto besser geht es mir und desto besser
wird die Band. Irgendwann stehe ich in der dritten Reihe. Wie schön,
könnte man jetzt sagen. Aber vor mir steht ein Schrank. Ich klopfe
dem Schrank auf die Schulter und frage ihn, ob er mich vorbei läßt.
Er schüttelt den Kopf, doch ehe ich mich versehe, sitze ich schon
wieder über der pogenden Masse und diesmal keine zwei Meter vor der
Bühne, auf den Schultern des Schranks. Um 22 Uhr gehen die "Ärzte"
vorläuig. Doch sie kommen wieder, und einige Songs später kommt
dann für mich das absolute Highlight.
Immer noch hoch über den anderen Fans rufe ich lauthals "Geschwisterliebe",
andere folgen meinen Rufen. Farin guckt, ich rufe wieder. Und dann kommt
das, worauf ich den ganzen Abend gewartet habe. Die Band spielt und die
Fans singen, denn selber singen dürfen sie das Lied wegen Indizierung
nicht mehr. Kurz darauf folgt das traditionell letzte Lied "Zu Spät".
Doch irgendwie wollen die "Ärzte" noch nicht gehen. Nach
"Helmut K." und "Zitroneneis" ist aber endültig
Schluß.
Für uns noch nicht, denn aus sicherer Quelle weiß ich, wann
und wo die Band eventuell noch Autogramme gibt. Nach längerem Warten
kommt Rod aus der Halle, gefolgt von Farin. Nach ein paar netten Worten
verschwinden sie im Tourbus. Farin kommt noch einmal an die Tür und
redet mit uns, Autogramme gibt es aber nicht. Unsere letzte Hoffnung ist
Bela. Doch auch er verschwindet sofort im Bus. Dann winken die "Ärtze"
noch einmal, wir winken, und der Bus fährt. Und ich denke: "Auf
Wiedersehen", denn das gibt es für mich ganz bestimmt - spätestens
am 8. Oktober in Bielefeld.
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