Bericht vom Konzert-Dreierpack "3x eine Stunde mit die Ärzte" am 09.11.96, das im und zugunsten des legendären Berliner "SO36" stattfand, in dem bereits früher Soilent Grün spielte:
(Diese Konzerte waren außerhalb Berlins nur den Fanclub-Mitgliedern bekannt und deshalb nicht auf diesen Web-Seiten angekündigt worden !!!)
VON CHRISTIAN KÜMMEL
Natürlich war ich bei allen 3 Konzerten, von denen die ersten beiden
wirklich super waren. Beim dritten mußte man mit sehr viel Humor aufwarten,
ansonsten war man sicher etwas enttäuscht.
Erläuterung:
Jedes der Konzerte wurde ähnlich gestartet, indem jeweils ein Arzt im
indischen Look (zuerst Farin, dann Rod, danach Bela) auf einer Sitar
(ich hoffe richtig geschrieben) klimperte und danach wieder verschwand.
Dazu hing ein handgemaltes Transparent über den Drums auf dem stand:
Die Ärzte Konzert
Nach kurzer Pause ging es dann richtig los und zwar eine Stunde der
genialsten Lieder quer durch die Zeit.
Auf Drängen eines lautstarken Gastes wurde nach etlichem Antäuschen
tatsächlich Geschwisterliebe in der gewohnten Light-Version gespielt.
Das zweite Konzert war das pogointensivste. Vom Stagediving wurde dann
immer mehr Gebrauch gemacht, was sogar zu einem blutenden Zuschauer führte.
Aber das war nur ein kosmetisches Problem, keine größere Verletzung.
Doch nun zum eigentlichen Knackpunkt, dem dritten Konzert.
Am Anfang machte Farin die Ansage, das Stagediven zu lassen, da nun eine
Riesenshow geplant sei. Und zwar wollte man am 9. November The Wall
aufführen !
Das Publikum fand es höchstens anfangs witzig, als die Bühne mit weißen
Pappkartons (sollten die Steine sein) zugebaut wurde.
Je höher die Mauer, desto ruhiger das Pulikum.
Auf die Erklärungen, daß der Iwan schuld an der Mauer sei und daß die
Ärzte auf der Ostseite ständen, wurden langsam Wir-sind-das-Volk-Rufe
immer lauter (allerdings von der vermeintlichen Westseite !?).
Als nach ewigem Gebaue und etlichen Stürzversuchen seitens Einzelner
die Mauer ins Publikum fiel (musikalisch wurde die ganze Zeremonie durch
Coverversionen von Pink Floyd und The Police begleitet -- genial umgesetzt),
entluden die Zuschauer ihre leichte Angespanntheit mit einer wilden
"Schneeballschlacht" mit Pappkartons in Richtung Bühne.
Es wurde einiges getroffen (Bela, Mikrofonstdnder, Drums ...) bis endlich
wieder Ruhe einkehrte.
Danach meinten die Ärzte nur, daß es am Anfang nach einer lustigen Idee
geklungen hätte, aber ...
Sie entschädigten das Publikum, das langsam wieder etwas mehr in Stimmung
kam, mit einer halben Stunde Überziehung und genialen Stücken.
So wurde zum Beispiel "Claudia" in Urform gespielt und von der Band selbst
gesungen (hatte ich bis jetzt glaub ich noch nicht gehört).
Wer mit sehr viel Humor an dieses Konzert ging (wie ich), der hatte auf
jeden Fall den ganzen Abend Spaß wie selten. Andere (wie mein Freund) kamen
mit der Situation nicht 100%ig klar.
Axel Schulz hat jedenfalls die ganze Zeit auf der Box sitzend gefilmt und
sich besonders gefreut, wenn Lieder wie "Der lustige Astronaut" kamen.
MG.Rickers, 18.11.96